Im Schützengraben | Quellen

 

Die Quellen gehören zum Modul  Im Schützengraben

 

Quelle 1 | „Eroberung der ersten französischen Fahne“ | Bildpostkarte, datiert 12.10.1916 | Bildnachweis: mit freundlicher Genehmigung von bildpostkarten.uni-osnabrueck.de

Fahne

 

Quelle 2 | Unbekannter Fotograf: Britische Soldaten im Schützengraben während der Schlacht von Cambrai, Foto von 1917 | Vollständiges Bild und Bildnachweis (Public Domain, Wikimedia): Bild anklicken 

Trenches

 

Quelle 3 | Britischer Bauplan für einen Schützengraben von 1914 | Bildnachweis (Public Domain, Wikimedia): Bild anklicken

Trench

 

Quelle 4 | Britisches Aufklärungs-Luftbild vom 22.Juli 1917: Schützengräben bei Artois, Frankreich | Bildnachweis (Public Domain, Wikimedia): Bild anklicken

Schützengraben Erster Weltkrieg

 

Quelle 5 | Schaubild des Grabensystems an der Westfront, ca. 1917 | Bildnachweis (Public Domain, Wikimedia): Bild anklicken

Grabensystem

 

 

Quelle 6 | Brief des Unteroffiziers Gustav Sack aus Hardecourt (Somme-Gebiet, Frankreich) vom 31.10.1914 an seine Frau Paula Sack in Hamburg | aus: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz (Hg.): Die Deutschen an der Somme 1914-1918. Krieg. Besatzung.Verbrannte Erde. Essen 2006, S. 34f.; Mit freundlicher Genehmigung der Autoren

31. Dezember 1914 Nachmittag im Graben von Hardecourt

Dies ist, bei Gott! der scheußlichste Silvester, den ich je an mir vorbeikriechen ließ; ich war an diesem Tage immer herunter, aber so wie heute …! Erst ganz äußerlich: unser Essen bestand aus Brot, das zwar überreichlich vorhanden, aber total feucht und durchweicht ist, bestreut mit Salz und kaltem Kaffee von heute Nacht, dazu Deine Feigen zum Frühstück. Heute Nacht um zwölf Uhr werde ich die kleine Flasche Punschessenz — die vorige ist schon auf — in einem Zuge auf Dein kleines Wohl trinken. Weiter, nachdem es heute Nacht gefroren hatte, pinkelt es jetzt wieder, so ekelhaft dünn und grau und endlos — zum Heulen traurig. Und überall stürzen die mühsam wieder ausgebesserten Grabenwände ein — Sumpf, Dreck, ein Schweinekoben. Regnet es noch lange, so wird es wieder durch unser „Dach“ durchregnen, wir können dann suhlen wie die Säue. Weißt Du übrigens, dass diese Unterstände so niedrig sind, dass man, auf dem Boden sitzend, gerade noch aufrecht sitzen kann? Habe ich Dir auch schon geschrieben, dass vor unseren Stellungen schon vierzehn Tage lang ganze Reihen toter Franzosen liegen? Eben eingezogene, ganz junge, frische Bengel, vierzehn Tage in dem Dreck und Regen, kein Mensch begräbt sie, diese schwarzen, faulenden Klumpen. Heute Nacht bringt uns eine Patrouille Sardinen und Konservenbüchsen mit, die man in den französischen Brotbeuteln reichlich findet, Die öffnet man dann halb seelenruhig, halb von Ekel geschüttelt, und futtert sie auf. Aber — dulce et decorum est, pro patria mori. Schauderhaft, höchst schauderhaft Wenn man sich doch betrinken, sinnlos betrinken könnte! Und dann: warum hab ich heute, als am letzten Tage dieses seltsamen Jahres, keinen Brief von Dir? [ … ]

Worterklärungen | Punschessenz: Alkoholgetränk | Schweinekoben: Schweinestall | Dulce et decorum est, pro patria mori (lat.): Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben.