„Aufhebung des mörderischen Impfgesetzes“? | Impfgegner im Nationalsozialismus

Nationalsozialismus | Modul 5 | Verstehen und urteilen | Gegenwartsbezug | Pandemie | ◻◻◻ schwer | ca. 90 min

Titelbild der Gesundheitspost vom 1. Juni 1933. Die Gesundheitspost war die Zeitschrift des „Reichsverbands deutscher Impfgegnervereine“.

Du kannst dieses Modul besser verstehen, wenn du bereits das Modul Impfpflicht im Kaiserreich bearbeitet hast.

 

Die Pocken sind eine Viruserkrankung, die mit Fieber und Schüttelfrost beginnt und bei Ungeimpften in fast jedem dritten Fall tödlich endet. Zur Bekämpfung der Pocken wurde im Kaiserreich 1874 eine allgemeine Impfpflicht eingeführt. Langfristig war die Impfung gegen die Pocken erfolgreich, denn die Krankheit gilt seit etwa 1970 als ausgerottet.

Seit der Einführung der Impfpflicht bis in die Zeit des Nationalsozialismus schürten Impfgegner immer wieder Angst vor angeblichen Impfschäden und forderten 1933 die „Aufhebung des mörderischen Impfgesetzes vom Jahre 1874“. Zu den Impfgegnern zählten auch führende NS-Politiker.

In diesem Modul nimmst du kritisch Stellung zur widersprüchlichen Haltung des NS-Regimes zu Impfungen. Dazu ordnest du die Position von Impfgegnern und Impfbefürwortern in die NS-Ideologie ein und beurteilst die Entscheidung zur Impfpflicht gegen Pocken vor dem Hintergrund der politischen Ziele des NS-Regimes.

 

Tipp: Hinweise zum Modul für Lehrer/innen finden sich im Blog  Historisch Denken | Geschichte machen

 

    Aufgaben

    1 | Die folgende Karikatur war im Februar 1932 im nationalsozialistischen HetzblattDer Stürmer“ erschienen, in der häufig antisemitische Karikaturen verbreitet wurden. Die Überschrift lautet Die Impfung und der Untertitel: Es ist mir sonderbar zu Mut, den Gift und Jud tut selten gut. Der Mann soll einen Juden darstellen. Diese Darstellungsweise ist typisch für Karikaturen im Stürmer.

    Philipp Rupprecht (Fips): "Die Impfung" | Karikatur aus "Der Stürmer", Nr. 6 (Februar 1932), Public Domain

    a) Belege an wichtigen Gestaltungsmitteln, dass es sich um eine antisemitische Karikatur handelt. Gehe dabei auch auf die Unterschrift ein.

    b) Bestimme die Haltung des Karikaturisten zu Impfungen.

     

    2 | Öffne die Seite mit den Quellen und lies dir Quelle 1 durch. Der Artikel "Gleichschaltung mit Hitler" ist in derselben Ausgabe der "Gesundheitspost" erschienen, deren Titelbild oben abgebildet ist.

    a) Im ersten Absatz nennt der Autor Argumente gegen das Impfen und die Impfpflicht. Gib diese Argumente in eigenen Worten wieder.

    b) Begründe, weshalb der Reichsverband der ImpfgegnerHoffnungen in den Nationalsozialismus setzte. Belege deine Einschätzung an einschlägigen Textstellen.

     

    3Bereits 1934 trafen sich hochrangige Nationalsozialisten im Reichsinnenministerium, um über die Abschaffung der Impfpflicht gegen Pocken zu beraten. Von Impfgegnern wurde vorgeschlagen, eine Gewissensklausel einzuführen. Bürger hätten dann mit Verweis auf ihr Gewissen die Impfung ablehnen können. Die Quellen 2 und 3 sind Protokolle der Redebeiträge von zwei Teilnehmern dieser Beratung.

    a) Belege am Text, dass eine Impfpflicht für Siegmund W. van Kapff unvereinbar mit den Grundsätzen der NS-Ideologie war.

    b) Zähle die Argumente von Siegmund W. van Kapff und Anton Waldmann für und gegen die Abschaffung der Impfpflicht auf.

    Argumente für die Abschaffung der Impfpflicht

    Argumente gegen die Abschaffung der Impfpflicht

    c) Weise an der Quelle 3 nach, dass auch Anton Waldmann ein Anhänger der NS-Ideologie war.

     

    4Julius Streicher, der Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“, richtete 1934 eine Anfrage an Adolf Hitler über dessen Haltung zur Impfpflicht. Die Antwort kannst du in Quelle 4 nachlesen. Sie spiegelt wider, welche der beiden Positionen sich bei der Beratung im Reichsinnenministerium durchgesetzt hat. Allerdings wurde in den folgenden Jahren die Impfpflicht weniger streng kontrolliert.

    Beurteile abschließen die Haltung der Nationalsozialisten zur Impfpflicht. Ordne dazu die Begründung in die politischen Ziele des NS-Regimes ein.

     

    Die letzte Aufgabe sollt ihr gemeinsam mit der Klasse diskutieren!

    5 | Bei der aktuellen Debatte um die Impfpflicht gegen das Corona-Virus werden immer wieder auch Bezüge zum Nationalsozialismus hergestellt. Viele Impfgegner sehen in der Impfpflicht eine angeblich diktatorische Maßnahme. Gleichzeitig laufen bei Demonstrationen gegen die Impfpflicht häufig viele Rechtsextreme mit. Nehmt mit Hilfe eures neu gewonnenen historischen Wissens Stellung zu diesen Aspekten der Demonstrationen gegen die Impfpflicht.

    Autor dieses Moduls: Benjamin Reiter, Universität Bamberg

     

    Stichworte zum Modul Impfgegner | Impfpflicht | Corona | Coronavirus | Covid19 | Pandemie | Seuche | Geschichtsunterricht | Unterricht | Medizin | Nationalsozialismus | NS-Ideologie

    Die Antworten zu den Aufgaben kannst du entweder in deine Geschichtsmappe schreiben – ganz einfach mit Stift und PapierDu kannst die Antworten aber auch in die Textfelder unter den Aufgaben eingeben und anschließend ausdrucken oder als pdf abspeichern. Klicke dafür auf das Drucker-Symbol. Hier erhältst du weitere Informationen

     

     

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