Hep-Hep-Krawalle 1819

Napoleonische Herrschaft, Restauration und Vormärz | Modul 9 | Textquellen analysieren | Ausgrenzung und Verfolgung | ◻◻ mittel | ca. 40 min

Johann Michael Voltz: Hepp! Hepp!, nachkolorierte Radierung 1819 | Bildnachweis (Public Domain): Bild anklicken

Tipp: Hinweise zum Modul für Lehrer/innen finden sich im Blog  Historisch Denken | Geschichte machen

segu-Module zum Thema Antisemitismus      Hep-Hep-Krawalle 1819       Antisemitismus im Kaiserreich      Judenverfolgung und Holocaust 1933-1945

 

Geplünderte oder zerstörte Geschäfte und Wohnungen, eingeworfene Fensterscheiben und verletzte Personen – solche Vorstellungen verbinden viele mit den Ausschreitungen gegen Juden im Mittelalter oder im Nationalsozialismus. Antijüdische Gewaltexzesse gab es aber auch im 19. Jahrhundert. Die von August bis Oktober 1819 dauernden Hep-Hep-Krawalle in vielen Städten und Dörfern des Deutschen Bundes und über seine Grenzen hinaus waren die heftigsten gegen Jüdinnen und Juden gerichteten Ausschreitungen seit dem Mittelalter und vor der Reichspogromnacht 1938. Sie gelten als der größte überregionale Aufruhr in der Zeit der Restauration bis zur Märzrevolution 1848 überhaupt.

Dennoch sind die Krawalle weitgehend in Vergessenheit geraten und bleiben beispielsweise in Schulgeschichtsbüchern unerwähnt. Das segu-Team hat sich intensiv mit den Ereignissen beschäftigt, zahlreiche Quellen zusammengetragen und auch den Wikipedia-Artikel zu den Hep-Hep-Krawallen überarbeitet. In diesem Modul lernst du die Ereignisse genauer kennen und beschäftigst dich mit zwei Zeitungsartikeln und einem Drohbrief vom August 1819. 

 

Aufgaben

    1 | Schau dir zuerst die Radierung „Hepp! Hepp!“ von Michael Voltz am Seitenanfang an und beschreibe in zwei bis drei Sätzen, was der Zeichner darstellen wollte. Hilfestellung erhältst du im Wikipedia-Artikel.


     

    2 | Lies dir anschließend die Infobox zu den Hep-Hep-Krawallen durch. Fasse die Informationen zu einem kurzen Lexikonartikel in drei bis vier Sätzen zusammen.

    Infobox | Hep-Hep-Krawalle 1819

    Zum Vergrößern auf die Karte klicken

    Die Hep-Hep-Krawalle begannen am 2. August 1819 in Würzburg. Fünf Tage herrschten dort bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein wütender Mob griff jüdische Wohn- und Geschäftshäuser an. Es gab zahlreiche Verletzte. Die etwa 400 dort lebenden jüdischen Menschen flohen aus der Stadt. Erst der Einsatz von 700 Soldaten beendete die Unruhen. Einer der Angreifer und ein Soldat wurden getötet.

    In den folgenden Wochen sind aus etwa 80 Städten und Ortschaften Vorfälle und Ausschreitungen überliefert, die unkoordiniert und spontan stattfanden. Die Karte gibt dir einen Überblick. In der Liste der Orte der Hep-Hep-Krawalle findest du genauere Informationen zu den Vorfällen an einzelnen Orten. Vielleicht ist dein Wohnort dabei?

    Besonders schwere, mehrtägige Ausschreitungen ereigneten sich in den folgenden Wochen in Frankfurt am Main, in Hamburg und in Kopenhagen, bei denen aber keine weiteren Menschen getötet wurden. Auch aus Bamberg, Bayreuth, Darmstadt, Karlsruhe, Heidelberg und Danzig sind heftige Gewaltexzesse überliefert. In Würzburg und in den Dörfern Rimpar und Sommerach wurden die Synagogen (die Gotteshäuser der Juden) verwüstet. Bei der Mehrzahl der 70 kleineren Vorfälle handelte es sich um „Hep-Hep“-Geschrei, Plakatanschläge, Drohbriefe, Hetzschriften, Schlägereien, vereinzelte Steinwürfe gegen Häuser und eingeworfene Fensterscheiben.

    Was bedeutet „Hep-Hep“? Während der Ausschreitungen riefen die Angreifer „Hep-Hep“, um jüdische Menschen zu beschimpfen. Wahrscheinlich geht Hep auf den Ruf von Viehtreibern zurück. So sollten die Juden mit Tieren gleichgesetzt werden.

    Wer waren die Angreifer bei den Hep-Hep-Krawallen? Unter napoleonischer Herrschaft hatten jüdische Menschen mehr Rechte erhalten und durften seither eigene Geschäfte und Handwerksbetriebe betreiben. Andere Geschäftsleute und Handwerker sahen sie als missliebige Konkurrenten und wollten sie aus den Städten vertreiben.

    Behörden, Polizei und Militär griffen anfangs oft nur zögerlich ein, um die Unruhen zu beenden. Im August 1819 wurden unter dem Eindruck der Krawalle die Karlsbader Beschlüsse verabschiedet. Ab September gingen die Behörden auf Grundlage dieser Beschlüsse energisch gegen die Angreifer vor. Im Oktober wurde die Welle der Gewalt gebrochen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es aber immer wieder antijüdische Ausschreitungen.

     

    3 | Öffne die Seite mit den Quellen.


      a) Lies dir die erste Quelle über die Krawalle in Würzburg durch. Fasse mit deinen eigenen Worten zusammen, was der Artikel über der Verlauf der Ereignisse berichtet.

      b) Arbeite anhand des Zeitungsberichts heraus, welche Haltung und Bewertung der Redakteur des Frankfurter Journals gegenüber den Ereignissen ausdrückt.

      c) Lies dir anschließend die zweite Quelle über die Krawalle in Heidelberg durch. Fasse wieder mit deinen eigenen Worten zusammen, was der Artikel über der Verlauf der Ereignisse berichtet.

      d) Arbeite anhand des Zeitungsberichts heraus, welche Haltung und Bewertung der Redakteur der Rheinischen Blätter gegenüber den Ereignissen ausdrückt.

      e) Zeitungen waren im 19. Jahrhundert die wichtigste Informationsquelle. Die Berichterstattung konnte deshalb erheblich zur Ausbreitung der Krawalle beigetragen. Das wussten auch die Zeitungsmacher. Wie beurteilst du vor diesem Hintergrund die unterschiedliche Haltung der beiden Redakteure?


       

      4 | In Würzburg kursierten nach den Krawallen öffentlich ausgelegte Drohbriefe. Sie wurden anonym verfasst, beispielsweise in Gasthäusern vorgelesen und sollten die antijüdische Stimmung weiter anheizen. Lies dir den Brief durch und bewerte abschließend die dort geäußerten Drohungen aus heutiger Sicht. Dabei kann dir helfen, geeignete Adjektive zu finden. Diskutiert eure Bewertungen in der Klasse.


       

      Der Erstellung dieses Moduls ging eine umfangreiche Recherche voraus, deren Ergebnisse im Blogbeitrag Die Hep-Hep-Krawalle gehören in den Geschichtsunterricht zusammengefasst sind. Außerdem wurde im Zuge der Recherche der Wikipedia-Artikel über die Hep-Hep-Krawalle gründlich überarbeitet. Wichtigste Grundlage war dabei u.a. die 2020 erschienene, über 800 Seiten starke Gesamtdarstellung der Gewalt gegen Juden im 19. Jahrhundert Tumulte – Excesse – Pogrome (Göttingen 2020) von Werner Bergmann

      Stichworte zum Modul Hep-Hep-Krawalle | Hepp-Hepp-Krawalle | Hep-Hep-Unruhen | Hepp-Hepp-Unruhen | antijüdische Gewalt | Pogrom | Geschichte | Geschichtsunterricht | Unterricht | Schulbuch selber schreiben

      Die Antworten zu den Aufgaben kannst du entweder in deine Geschichtsmappe schreiben – ganz einfach mit Stift und PapierDu kannst die Antworten aber auch in die Textfelder unter den Aufgaben eingeben und anschließend ausdrucken oder als pdf abspeichern. Klicke dafür auf das Drucker-Symbol. Hier erhältst du weitere Informationen