Märzrevolution in Berlin | Quellen

 

Die Quellen gehören zum Modul Märzrevolution in Berlin

 

Quelle 1 | Königlich privilegirte Berlinische Zeitung Nr. 65 | Freitag, 17. März 1848

 

BerlinischeZeitung_17_03_1848

Inland. Berlin, den 16ten März. […] Im Laufe des gestrigen Tages bildeten sich in der Brüder- und breiten Straße zahlreiche Gruppen, die sich von Mittag an auf dem Schloßplatz zu einer dichten Masse vereinigten. Gegen Abend begann die Menge gegen die an den Schloß-Portalen aufgestellten Wacht-Mannschaften mit ausgerissenen Pflastersteinen zu werfen. Die wiederholten Aufforderungen, sich zurückzuziehen, wurden mit neuen Steinwürfen beantwortet, so daß es der inzwischen entbotenen Kavallerie bedurfte, um den Schloßplatz zu säubern. Die auseinanderstäubende Menge warf sich in wilder Hast die breite Straße hinab und suchte sich dort wie in verschiedenen nahe gelegenen Straßen zu setzen, indem sie durch zusammengeschleppte Fässer, durch theilweises Abtragen und Aufziehen der Brücken die Truppen aufzuhalten suchte. Die mit Wegräumung dieser Hindernisse beschäftigten Soldaten wurden mit Steinwürfen empfangen und erst der Gebrauch der Schuß- und Hiebwaffe vertrieb die Tumultanten. Die Ruhe und Ordnung konnte nicht ohne Opfer hergestellt werden, es haben Verwundungen stattgefunden, leider auch, wie man sagt, einige Todesfälle, gemeldet war heute Vormittag ein Todesfall. Die Tumultanten unterließen nichts, um das mit großer Ruhe und Selbstverläugnung einschreitende Militair zu necken, zu reizen und durch Werfen zu beschädigen. […]

 

Quelle 2 | Königlich privilegirte Berlinische Zeitung Nr. 67 | Montag, 20. März 1848

Inland. Berlin, den 19ten März. In dem Augenblick, wo wir (am 18.) unsern Bericht über die Verleihungen und Verheißungen, die der König dem Volke gewährt, mit den Worten beginnen wollten: „Preußen hat seinen glücklichsten Tag erlebt!“ drang ein Ruf des Schreckens und Entsetzens zu uns. Auf dem Platze vor dem Königlichen Schlosse, wo sich die Bürger noch in Freudenthränen umarmten, wo der König zweimal, als er auf dem Balkon erschien, mit lautem Jubel begrüßt wurde, waren plötzlich zwei Schüsse gefallen und eine Abtheilung Cavallerie hatte, ins Volk sprengend, und wie viele Augenzeugen berichten einbauend, den Platz gesäubert. Anlaß und Erklärung dieser Maaßregel, die so unglückselig wirkte, sind in der Königlichen Proclamation aus der Nacht vom 18ten und 19ten gegeben. Allein der äußerste Schrecken war dadurch in die Volksmassen gedrungen. Man glaubte sich verrathen, man schrie: „Wir werden niedergehauen, niedergeschossen!“ Das Entsetzen und die Erbitterung pflanzte sich mit reißender Schnelle fort und wuchsen in der Verbreitung, wie alle Gerüchte. Ein so furchtbarer Wechsel der Empfindungen ist vielleicht in der Weltgeschichte noch nicht da gewesen. Die Stadt der Freude, des Jubels, war urplötzlich ein des Grauens und des Kampfes. In allen Straßen wurden Barrikaden aufgerichtet, das Volk stürzte zu den Waffen, es nahm sie wo sie deren habhaft werden konnte. Es eilte auf die Dächer der Häuser und waffnete sich mit den Ziegeln. In zwei Stunden war die ganze Stadt umgestaltet, in Vertheidigungszustand gesetzt. – […] Nachmittags gegen halb fünf hörten wir von der Könisstraße aus die ersten Schüsse. Von der Zeit ab dauerten die Gefechte des Volkes gegen die Truppen in der ganzen Stadt fort. Eine der am stärksten vertheidigten Barrikaden war in der breiten Straße am köllnischen Rathhause errichtet. Sie wurde von der Zeit des Dunkelwerdens an bis Mitternacht vertheidigt. Vielfache Infanterie und Artillerieangriffe geschahen gegen dieselbe, bevor es den Truppen gelang sie zu besetzen. Von dem d’Heurisischen Hause am Köllnischen Fischmarkt so wie on vielen Häusern der Friedrichstr. wehte die schwarz roth goldene Fahne. […] Am Morgen war die allgemeine Stimmung eine tief düstere, wie es so unglückselige Ereignisse, die so viel Blut der Bürger gekostet haben, nicht anders erwarten ließen.

 

Quelle 3 | Königlich privilegirte Berlinische Zeitung Nr. 67 | Montag, 20. März 1848 (Extrablatt)

Extrablatt der Freude

Die Umwandlung, die freudige Umgestaltung der Dinge, die von gestern auf heut stattgefunden, macht es uns zur Pflicht auch darüber eine außerordentliche Mittheilung ins Publikum zu senden. Es kann nicht früh genug erfahren, was für Thaten des höchsten Muths geschehen sind, die diese Umwandlung herbeiführten. […]

Die Presse ist frei! In der nämlichen Stunde, wo uns dieses herrliche Recht erfüllt wurde, wollten wir die Stimme des Frohlockens darüber erheben – da dröhnte der entsetzende Donnerschlag, der unsere Stadt traf, und der Kampf begann. – Das war nicht mehr die Zeit, dem Gefühle der Beglückung Luft zu machen! – Jetzt theilt der Friedens- und Freudenruf wie ein goldenes Licht die schwarzen Wolken. […]

 

Quelle 4 | Königlich privilegirte Berlinische Zeitung Nr. 69 | Mittwoch, 22. März 1848

Inland. Berlin, den 11ten [eigentlich: 21ten] März. Die herrlichsten Früchte wachsen jetzt aus dem Siege hervor. Wie durch eine segnende Zauberkraft werden sie zu Blüthe und Reife gebracht. Alles Veraltete stürzt, und das Neue baut sich frisch und kräftig empor.

 

BerlinischeZeitung_23_03_1848

 

Quelle 5 | Königlich privilegierte Berlinische Zeitung Nr. 70 | Donnerstag, 23. März 1848

Die Bestattung unserer Todten.

Berlin, den 22sten März. Heut Mittag um 2 Uhr fand die große Beerdigungsfeier für die in der Nacht vom 18ten zum 19ten März gefallenen kühnen Kämpfer des Volkes statt. Eine Trauerfeier, wie sie die Geschichte unseres Volkes noch nicht aufzuweisen hat, ja die in der Bedeutung und dem Umfang vielleicht noch nie und nirgends da gewesen ist. Selbst noch im Tieftsen davon erschüttert ist es und nicht möglich mehr als einzelne Züge des ungeheuren Gemäldes, das sich durch die ganze Stadt hinzog, auf das Blatt zu werfen. […]

Tausende drängten sich vor der neuen Kirche am Gendarmenmarkt, hatten die große Treppe des Schauspielhauses und die des französischen Thurmes besetzt, um die vor der Kirche aufgestellten Särge zu betrachten. Die Säulen-Facade des Gebäudes war mit schwarzen, lang herabwehenden Trauerflören behangen. Die auf einer, die Treppe überbauenden Estrade aufgestellten Särge, gegen zweihundert, so viel wir schätzen konnten, waren gleichfalls mit Trauerflören und Blumen geschmückt.[…]

Ein zweiter erschütternder Moment war der, als der Trauerzug am Schloß vorbei ging. Als die Spitze desseben das zweite Portal erreichte, trat der König umgeben von Ministern und Adjutanten heraus auf den Balkon; zwei Trauerfahnen wurden von dort herabgesenkt, und die dreifarbige in der Mitte Beider gleichfalls grüßen geneigt. Der König begrüßte die Todten, indem er den Helm abnahm und blieb entblößten Hauptes, bis die Särge vorüber waren. – Dieselben wurden in Abtheilungen getragen, bei jeder Abtheilung erschien der König wieder und brachte denselben Gruß dar – Über zwei Stunden dauerte es, bis der Zug am Schloß vorüber war.