Napoleon | Quellen

Die Quellen gehören zum Modul Napoleon herrscht über Europa

 

Quelle 1 | August von Hardenberg (Preußischer Politiker und Reformer): Über die Reorganisation des preußischen Staates, Denkschrift vom 12. September 1807

Karl August Hardenberg | Public Domain

Die Französische Revolution, wovon die gegenwärtigen Kriege die Fortsetzung sind, gab den Franzosen unser Blutvergießen und Stürmen einen ganz neuen Schwung. Alle schlafenden Kräfte wurden geweckt; das Elende und Schwache, veraltete Vorurteile und Gebrechen wurden – freilich zugleich mit manchem Guten – zerstört. Die Benachbarten und Überwundenen wurden mit dem Strome fortgerissen. Unkräftig waren alle die Dämme, welche man diesem entgegensetzte. […]

Der Wahn, dass man der Revolution am stärksten durch Festhalten am Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze entgegenstreben könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu befördern und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben. Die Gewalt dieser Grundsätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, dass der Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange oder der erzwungenen Annahme derselben entgegensehen muss. Also eine Revolution im guten Sinne, gerade hinführend zu dem großen Zwecke der Veredelung der Menschheit, durch Weisheit der Regierung und nicht durch gewaltsame Impulsion von innen oder außen – das ist unser Ziel, unser leitendes Prinzip. Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung – dieses scheint mir die angemessene Form für den gegenwärtigen Zeitgeist. War aber je ein Zeitpunkt günstig für solche Maßregeln, so ist es unstreitig der gegenwärtige, wo der Staat eine so große Veränderung erlitten hat und nach ganz neuen Grundsätzen handeln, einer gänzlichen Wiedergeburt unterliegen muss.

Zitiert aus: Irmgard und Paul Hartig: Die Französische Revolution im Urteil der Zeitgenossen und der Nachwelt. Stuttgart 1983, S.33

 

Quelle 2 | Ernst Moritz Arndt: Lob des Hasses, Kampfschrift von 1808

Ernst Moritz Arndt | Public Domain

Ja, ich hasse, es ist meine Lust und mein Leben, dass ich noch hassen kann; ich hasse innig und heiß: aber nichts hasse ich heißer und inniger, als euch faule und nichtige Gesellen, die ihr euch nicht schämt in deutscher Sprache deutsche Schande auszusprechen. Wie sollte der Mann nicht hassen, der in der Welt etwas tun und wirken will? Denn welcher Mensch kann lieben ohne Hass? Und ich liebe mein Vaterland und seine Ehre und Freiheit über alles; ich liebe meine Freiheit […].

Jetzt ist die Zeit da für alle Deutschen, jeden Franzosen, der ihren entweihten Boden betritt, als ein Scheusal zu vertilgen; denn das übermütige Volk will uns unterjochen. 0, wenn ein Gott alle deutschen Verräter und Buben, alle Helfer und Hehler der fremden Tyrannei nähme, sie zusammen in einen Sack steckte und versenkte im Meere, wo es am tiefsten ist, und wenn dann das Volk, wie unsre Ahnen vormals, nur zu Keulen und Spießen griffe — das Franzosenungeziefer, das bei uns ist, würde bald vertilgt sein und neues würde nicht wieder kommen. So ist mein Hass.

Zitiert aus: Ernst Moritz Arndt: Geist der Zeit, Bd. 2, Marburg 1809, S. 266f.